Einmal einen 8000er sehen – so fing das Ganze an. Schon als junger Mann und nach einigen Bergwanderungen mit dem Vater, den Brüdern und Freunden war es ein Traum von mir, einmal das „Dach der Welt“ zu sehen.
Meine Frau war sofort dabei und einige Freunde wollten auch diesen Traum umsetzen. Wir machten uns bei verschiedenen Anbietern schlau und landeten letztendlich bei Herrn Fleischer und „Meine Welt – Reisen“.
Nachdem vier Freunde aus gesundheitlichen Gründen absagen mussten, machten wir uns zu dritt auf den Weg und den Manaslutrekk, der überall als noch wenig überlaufen und „authentisch“ beschrieben wurde.
Die erste Hürde stellte der Irankrieg dar, weil unsere geplante Fluglinie nicht fliegen konnte. Herr Fleischer fand eine Lösung und so hieß es mit Air India über Delhi nach Kathmandu.
So standen wir morgens am 4.4.26 in Kathmandu und wurden von Sandip mit einem Blumenkranz empfangen. Sandip war unsere Kontaktperson während der dreiwöchigen Reise und fand für jedes Problem eine schnelle und gute Lösung.
Nach dem abendlichen Kennenlernen des Guides Atal ging es am nächsten Morgen mit dem Jeep von Kathmandu nach Barpak. Der Fahrer war klasse, aber die „Straße“ – das Wort ist für manche Abschnitte eine schamlose Übertreibung – eine Highway to hell!
Nach 7 Stunden Fahrt für 180 km kamen wir gut durchgerüttelt in Barpak (1940 m) an. Sobald das Quartier bezogen war, stand ein kleiner Spaziergang durch den Ort an, der das Epizentrum des furchtbaren Erdbebens von 2015 war, und damals total zerstört worden war. Beim Spaziergang lernten wir auch die beiden Träger Sandip und Basang kennen.
Wir begegneten vielen Kindern. Einige spielten auf einem steineübersäten Weg mit einem alten Ball Fußball – ich bin dabei und wir lachen zusammen. Überall hören wir ein fröhliches Manaste und sehen grüßende Hände.
Am 6.4.26 war es soweit: Startpunkt des Manaslutrekks! Es ging gleich gut los. 800 Höhenmeter über Steintreppen hoch und auf der anderen Seite des Berges wieder runter – nach Laprak (2060 m). Die Füße haben die Steintreppen verflucht, aber auch sie gewöhnen sich daran.
Jeden Tag bespricht der Guide – auf Englisch oder Deutsch, das er noch verbessern will – mit uns den gewesenen und kommenden Tag.
Am 7.4.26 ging es nach Khorlabesi (970 m) und die Menschen in ihrer eigenen und uns so fremden Welt faszinierten uns. Vor einer spartanischen Unterkunft spielen zwei Jungs, vielleicht fünf Jahre alt, mit einem alten, verdellerten Plastikball. Sie haben ein Stück Schnur quer gespannt und spielen auf einem Feld von vielleicht 3 krummen Quadratmetern Volleyball. Sie strahlen und haben eine unbändige Freude daran, uns zu zeigen, wie gut sie das können.
Heute stand auch die erste von vielen Hängebrücken an, die aber alle einen sehr soliden Eindruck machen, und so die Ängste beim Überqueren stark reduzierten. Die Maultiere haben aber immer Vorrang.
In Khorlabesi treffen wir auf die übliche Trekkingroute und man merkt, dass mehr los ist. Dennoch hatte man nie das Gefühl des „Massentrekkings“.
Am nächsten Tag ging es 15 km und 920 Höhenmeter hoch nach Jagat (1340 m). 5 Stunden waren wir unterwegs und am Nachmittag hatten wir zum ersten und letzten Mal die Regenjacke nötig. Die nächsten Tage führten nach Deng (1860 m) und Namrung (2630 m). 1250 Höhenmeter und 18 km Wegstrecke mit einem knackigen Schlussanstieg vor Namrung machen die Freude auf die Lodge umso größer.
Unser Guide Atal machte bei der Abendbesprechung den Vorschlag, dass wir am nächsten Tag bis Shyala laufen könnten, weil das Bergpanorama am darauffolgenden Morgen dort grandios sei. Gesagt, getan – wir machten in Lho nur Mittagspause, genossen eine kurze Führung im Kloster durch zwei junge Klosterschüler und liefen bis nach Shyala (3500 m).
Der nächste Morgen war zwar etwas bewölkt, aber im Wolkenspiel tauchten immer wieder faszinierende Berge auf und wir kamen aus dem Staunen und Fotografieren nicht mehr heraus. Das machte nichts, denn die Tour nach Samagaun (3530 m) war sehr kurz und fast ein Spaziergang. Außerdem hatten wir dort einen „Ruhetag“, um die Akklimatisierung voranzutreiben. Hoch laufen, tief schlafen ist das Credo für die Akklimatisierung und so zogen wir am 13.4. die Bergschuhe an und wanderten mit den Trägern und unserem Guide zu einem Kloster und zum Birendra-See (3690 m), in den bis vor zwanzig Jahren der Gletscher des Manaslu reichte. Heute fehlt ein gutes Stück vom Gletscher – ein Zeichen des Klimawandels.
Im Wald vor dem Kloster hörten wir Gesänge, standen zwischen den Bäumen und über uns erhoben sich die majestätischen Berge. Ein Moment, der das Innerste anrührte!
Am See gab es den Steinmännchenbauwettbewerb und wir hatten viel Spaß miteinander.
Allmählich steuerten wir auf die Königsetappe – den Übergang über den Larkela-Pass (5106 m) zu , aber bis jetzt hatten wir keine Probleme, und die Werte der Sauerstoffsättigung bei der abendlichen Kontrolle waren alle im absolut grünen Bereich.
Der Weg nach Samdo war nur 3 Stunden weit, sodass wir nach dem Mittagessen noch einmal die Schuhe schnürten und noch 200 Höhenmeter unter uns ließen, damit wir alle für den großen Tag gerüstet waren.
Das „Basislager“ in Dharamsala (4460 m) war das Ziel des nächsten Tages und auch da ging es nach dem Mittagessen noch einmal 200 Höhenmeter hoch und der Wind pfiff uns gehörig um die Ohren. Man spürte die Höhe und das Zauberwort „bistari“ – „langsam“ für das richtige Gehen am Berg war fast nicht nötig, da wir von uns aus sehr langsam machten.
16.4.26 – Königsetappe über den Pass und nach Bimthang (3590 m) hinunter. Das heißt in Zahlen: 10 Stunden laufen, 15 km, 730 Höhenmeter hoch und dann 1450 m absteigen.
Der lärmende Kompressor der Küche morgens um 3 Uhr ersetzte nachdrücklich den Wecker. -9 Grad, Stirnlampen auf dem Kopf, ging es um 4 Uhr Richtung Pass. Die Wettervorhersagen waren gut und so konnten wir in dieser faszinierenden Bergwelt den heranbrechenden Morgen begrüßen – ein wunderbares Naturschauspiel. Die Schritte wurden bei den zunehmenden Höhenmetern etwas langsamer, aber um 9 Uhr standen wir auf der Passhöhe.
Fotosession, Gebetsfähnchen für meinen verstorbenen Bruder aufgehängt, und schon ging es mit Grödeln an den Füßen über ein steiles Schneefeld runter. Nach 10 Stunden hatten wir es geschafft und waren in Bimthang angekommen.
Stolz, große Freude und auch Erleichterung über das erreichte Ziel ließen den Abend zu einem kleinen Passfest werden.
Am nächsten Tag stand noch einmal eine lange Etappe mit 1730 Höhenmetern nach unten auf dem Plan. „Zauberwälder“ säumten unseren Weg und immer wieder erhoben wir den Blick zu den Bergriesen und nahmen Abschied vom „Dach der Welt“.
Nach 7 Stunden waren wir in Tilije (2300 m) angekommen und abends hieß es in einer schönen Feier Abschied von unseren Trägern zu nehmen. Sie waren mit ihren Lasten von bis zu 40 kg, die sie nur über ein Stirnband tragen, für mich die wahren Helden!
Am nächsten Tag ging es mit dem Jeep auf die zweite Etappe des Highways to hell nach Pokhara.
Unser Manaslutrekk war angekommen und jetzt standen noch einige Tage Kultur in Pokhara und Kathmandu an.
Beseelt von den Bergen, den Menschen und der „anderen“ Welt und mit viel Demut angesichts der Größe dieser wunderschönen Bergwelt kehrten wir zurück und sind glücklich, dass wir diese Reise erleben durften.